der fruchtbarste moment

Februar 26th, 2010 by lotharthiel

 

als salamander wandern lernten,
die wanzen dazu tanzen wollten
und asseln sich im tollhaus tollten,
war es dies kleine haus in kärnten,

wo wir des abends uns entkernten:
die äpfel, birnen - oft gescholten,
wenn wir in morsche körbe rollten,
und uns dabei vom sein entfernten!

klar: klagen hilft dem wunden ego,
das fleischmann kennt und märklin; lego.
doch kennt es auch des obstes sorgen?

wer denn, der frech uns angebissen,
befragte vorher sein gewissen?
bedenkt dies: heute! - oder morgen.

 

(- - -)

der fruchtbarste moment (Audio)

urlaub in afrika (v. 2)

Februar 20th, 2010 by lotharthiel

 

est-ce que tu es fatigué ?
fragt mich spitz der schwarze mann.
denkt der, dass ich nicht mehr kann?
und schon spring ich in die höh.

tausend wunder zu besingen!
und das taxi steht schon unten
und in zweidreiviertel stunden
würd’ der urwald uns verschlingen.

doch - balkonesien ist auch hier!
da grinst auch schon ein weißes bier
aus deutschem quell verschmitzt mich an.

auf weiße kacheln sinken meine glieder,
aus teuren boxen klingen frohe lieder
und nun ist zehenpflege dran.

 

urlaub in afrika, v. 2 (Audio)

trigonometrisch vollkommene siesta-alternative (v. 2)

Februar 17th, 2010 by lotharthiel


nach exotisch lucullischer zungenverzärtelung
(mit, wie immer, etwas zu viel im maßlosen magen)
ermattet ins bett fallen: das heißt bittersüß scheitern,
nicht standhalten können der wahnsinnigen schönheit des augenblicks.

nun stell’ dir vor, in etwa gleicher entfernung wie das korrupte kissengrab
wartete, alternativ, der körperwarm schäumende atlantik auf dich
und die unsagbare hakte sich mit einem saufrechen lachen
einfach bei dir ein, um dich gleich nass zu machen.

ein trigonometrisches ideal, schwebt langbeinig sie neben dir her:
die sinus- und auch die anderen kurven schwingen dabei noch weit
harmonischer als es im buche steht, mit ihren sehnigen fingern
tangiert sie dich hüftlings, lässt auch von dir sich freundlich cotangieren. -

am strand verzweigen sich schwimmer und irdische wunder.
aus nächster nähe siehst du, wie sie halb im meer, halb im himmel liegt,
tropfen an ihrer kaffeehaut abperlen wie . . . wie perlen eben
und ihre leichtigkeit dich fortträgt: an diesem so unglaublich jungen tag.

 

 

 

 

trigonometrisch vollkommene siesta-alternative

Februar 7th, 2010 by lotharthiel

 

nach exotisch lucullischer zungenverzärtelung
(mit, wie immer, etwas zu viel im maßlosen magen)
ermattet ins bett fallen: das heißt bittersüß scheitern,
nicht standhalten können der wahnsinnigen schönheit des augenblicks.

nun stell’ dir vor, in etwa gleicher entfernung wie das korrupte kissengrab
wartete, als alternative, der körperwarm schäumende atlantik auf dich
und die unsagbare hakte sich mit einem saufrechen lachen
einfach bei dir ein, um dich gleich nass zu machen.

ein trigonometrisches ideal, schwebt langbeinig sie neben dir her:
die sinus- und auch die anderen kurven schwingen dabei noch weit
harmonischer als es im buche steht, mit ihren sehnigen fingern
tangiert sie dich hüftlings, lässt auch von dir sich freundlich cotangieren. -

dann scheidet der strand gnädig schwimmer und irdische wunder.
aus leidlicher distanz bestaunst du, wie sie halb im meer, halb im himmel liegt,
und tropfen an ihrer kaffeehaut abperlen wie . . . wie perlen eben;
schwerelos entspannst du dich und fängst endlich an - zu verdauen.

 

(herzkammermusik)

herr berango unternimmt einen nachtspaziergang zum meer

Februar 7th, 2010 by lotharthiel

 

regelrecht sonderbar ist herr berango,
denn er speist obst und geselchtes dazu.
nachmittags gönnt er sich kochenden fango,
denn er will fit sein am abend beim tango,

wenn ihn die frauen berühren in ruh.
tagsüber sitzt er zumeist in der küche,
brodeldi, spritzeldi, blubbert die supp’.
lyrisch erbaulich sind diese gerüche,

schnupprig wie einst die verbotenen sprüche
(die er allein las und niemals im club).
außer dem küchenreich steht sein haus leer.

spät in der nacht sich die räume ihm tauschen:
in seiner kammer vernimmt er dies rauschen -
heimlich und leise spaziert er zum meer.

 

(streunende atome)

carla!!! carla!!!, schrie die carla

Januar 31st, 2010 by lotharthiel

 
jeden tag zur selben stunde
in der kleinen grünanlage
machte carla ihre runde
und wurd’ allen prompt zur plage. 

jedem, der sie grad begleitete,
vater, mutter, bruder oder tante,
sie ihr thema unterbreitete,
auch wenn’s wirklich jeder längst schon kannte:

carla!!! carla!!!, schrie die carla,
ach! du bist so wunderschön
wie ich es noch nie gesehn!!!
täglich schwärmen so
, schwor carla,

günther seibert und ruth knieben,
ingrid neumann und heinz mahr …
zwar im ton oft übertrieben -
bleibt‘s nicht in der sache wahr?

zwecklos alles stirnerunzeln,
denn die carla musste schmunzeln.
carlas trieb war, sich zu feiern,
doch den andern war’s zum reihern.

 

(streunende atome)

sulla

Dezember 29th, 2009 by lotharthiel

zum frühlingsbeginn

  

ich hab im leben

glück gehabt,

wenn unglück ist,

dass nichts passiert.

nichts anderes.

träumerei

Oktober 11th, 2009 by lotharthiel

  

so senkt sich denn ein dunkler glanz
aus schlaf auf ihre großen augen.
leer längst das glas und aus der tanz.

nun kann ihr weicher busen ganz
und gar mit träumen voll sich saugen. -

die augen auf der autobahn
strebt er zu neuen augenblicken.
sein schoß ist noch von sehnsucht voll,

von jenem holden frauenwahn.
ach könnt’ er sie nur alle, sehen!
er ist der traummann, ein idol.

- und rast hinein in ihren traum
und wie ein traum platzt er dort wieder.

die frau liegt ruhig, sie atmet kaum,
doch unstet wandern ihre lider.

 

(herzkammermusik)

rolltreppenbestie

Oktober 11th, 2009 by lotharthiel

 

ein stummer schatten,
hebt sich seine stufe
aus der nacht des stahlflusses empor,
auftauchend wie aus dem nichts.

sie umgibt ein unwirkliches flackern
grün, einem auge gleich,
das ihn, den reisenden, fixiert.

halt’ er sich nur gut fest!
schau’ er immer geradeaus!
denn unter seinen füßen
lauert der tiger.

oben erscheint bald ein milchiger fleck,
seh’ er immer nur auf ihn,
denn jenseits wartet das haus!
halt’ an ihn er sich allein,
denn jenseits verzehrt sich die geliebte!

doch während er noch aufsteigt,
senkt sich sein blick:
auf seinen zähnen steht er,
langsam holt das tier aus
und bringt ihn zur strecke.

 

(herzkammermusik)

november

Oktober 11th, 2009 by lotharthiel

 
november ist’s wieder
und hoch von den bäumen
fallen hernieder die farben
aus unseren träumen. 

und über die dächer
legt bleich das gestirn
sein milchig blaues tuch.

bis an dessen ende reicht unser blick
denn sicher ist nun nichts mehr.

 

(herzkammermusik)