genius augusti
von wegen dummer august
keiner macht der sonne
mehr lust als er
ihre ganzen trümpfe auszuspielen
ihr nie auszublasendes porträt
im swing von sonny clark
die nackt lachenden cocktails im palmenschatten
weil sie ihre photonen in die
windigsten wedel dort
oben am himmel hineinschreibt
die gletschersekunden die
sie unten auf den rollenden wellenbergen vergisst
oder der sie rot in sich hineinsaufende
mund der bougainvillea
und der stechendste
sonnenbrand für alle anderen.
Saly Niakh Niakhal /Senegal, 25. August 2006
wunderbar bekloptes bad
saly, à la petite côte:
der lang ersehnte augenblick ist endlich da,
an dem ich unaufhaltsam in die himmlische brühe hineinstapfe.
soichwarm würde der schwabe sie nennen, doch der schwabe, gottlob,
west hier nur rudimentär an in gestalt meiner wenigkeit.
nicht den geringsten widerstand leistet der atlantische ozean,
als ich ihn mit meinen verschwitzten bleichen füßen betrete,
schließlich hat er schon ökologisch weit bedenklichere situationen gemeistert.
djembéklänge wehen von ferne her.
bald verliert sich der boden unter meinen zehen.
sagt: kann denn ein blutjunger delphin anders empfinden als ich jetzt,
synkopisch mich einfügend in das sanfte auf und ab der wellen?
vielleicht, nein: wahrscheinlich wird man es nie ganz genau wissen.
komplexeste gestalten entstehen vor dem entzückten auge
und haben sich schon wieder in andere verwandelt.
ein schwäbischer geist (selbst noch auf rudimentärer schwundstufe)
hat jetzt nur die wahl, entweder philosophisch über die welt nachzusinnen
oder, dem reinen gefühle folgend, immer werther und werther hinauszuschwimmen
und wie vielleicht, nein: gewiss noch nie zuvor im leben
klopstock auszurufen, nein klopstock hinauszuschreien,
hinweg über das geplätscher der wellen, das jetzt ein wogentosen sein müsste:
„klopstock! kloopstock! klooopstock!”
klopstock piepst und bäuerlet es aus dem bierbäuchlein heraus
zur karibik hinüber, kommt dort aber nicht an.
nur djembéklänge wehen von ferne her.
Saly Niakh Niakhal /Senegal, 9. August 2006
