consolatio mortis

26. November 2011 lotharthiel

consolatio mortis

bist du einmal tot,
reizt nicht mal mehr ein sesambrot.
bist du einmal tot,
reicht dir schon der würmer kot.

bist du einmal tot,
singt man dir die schönsten lieder.
jeder hat dich gern,
denn man weiß, du kommst nicht wieder.

bist du einmal tot,
siehst du alles völlig unverkrampft.
dort ist man dich los
und hier unten ruhst du sanft.

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Es ist nicht so . . .

9. September 2011 lotharthiel

dass ich dem Bücherbrett untreu geworden wäre. Habe mir von meiner talentierten Tochter Julia ein virtuelles Heim einrichten lassen. Vorteil: Man kann es einrichten, wie man will. Nachteil: Keine Kommunikation. Ergo: Wer will, ist herzlichst zur Besichtigung eingeladen.

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kleine chronologie des danebenstehens

28. Juni 2011 lotharthiel


1

erwin und ich, ich und erwin

(schorndorf im remstal, 1963)

 

wir gingen zu dem aichenbach

und suchten uns ein unterdach.

es regnete gar ziemlich stark

und erwin sagte: so ein quark!

wir wurden immer nasser

und erwin fiel ins wasser.

2

wandersmanns morgenlied

(brüssel, 1997)

 

unter allen bäumen

liegst du,

bei allen träumen

spürest du

schmerzen im bauch.

ein vöglein muß kotzen,

dem kannst du nicht trotzen.

so stirb du nun auch.

 

 

3

einen moment noch, bitte

(am nordöstlichsten strand europas, 2053)

 

warum nicht? noch bin ich da.

auf nowaja semlja.

 

müssen sich nun wirklich langsam sputen

mit ihrer antwort, diese glieseaner, kennen sie die auch?

ist ja nicht mal so ganz sicher, ob sie’s überhaupt gibt.

 

wie? – ganz schön frech!

also echt: ich bin noch da.

auf nowaja semlja.

 

neunundneunzig, hundert,

das hat ja nichts zu bedeuten:

zahlenwerk – menschenwerk.

 

doch: jeden morgen fünf kniebeugen.

 

aber klar. noch bin ich da.

auf nowaja semlja.

 

ja! 37 romanfragmente,

neuneinhalb interkulturelle projekte.

was: „welche kultur?“?

 

aber klar. noch bin ich da.

auf nowaja semlja.

 

ich räum jetzt gerade eben nur noch schnell auf

inzwischen können sie ja mal

 

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hingabeversicherung

1. April 2011 lotharthiel

 

nur der mensch
ist des beschließens mächtig!

vom schwimmen im wildbach hast du genug.
bist müde der scharfen kanten und
untiefen seines bettes, vor allem aber
seines unberechenbaren verlaufs.

daher gerade linien, klare horizonte,
strömungszieldefinition, entweder/oder.
von der klassischen gartenidee
- eingehegtes wachstum -
zum midlife-gartenideal:
sich selbst regulierende natur.

an dir begreife ich
daß epikur stoiker war.

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poeta subsistens

14. März 2011 lotharthiel

 

ich durchlebe
zur zeit
eine künstlerische pause.

da man es derselben jedoch
möglicherweise
weder anmerkt, wovon sie pause,
noch daß sie überhaupt solche
und nicht stillstand oder
gar nichts sei,

trete ich mit dieser botschaft
als-ob-haft aus ihr heraus,
ohne sie damit wirklich
zu überschreiten.

 
Okay, zugegeben:
demiurgisch daherlabern,
von hochgewachsenen xx-blicken getunet werden
und dafür auch noch gute kohle einsacken
das wär’s.

das wär’s gewesen.

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ayn samm kayd

27. Februar 2011 lotharthiel

 

unt alß ych schlys lych toch är wa che
yn may näm fyhl dsu bray tän pett
är schrä ke ych dasss samms tach yss

ych ruh dsche auss auff may
näm gess try chän geh läch tär
dass pa de wa szär schvaygd mych foll

unt krunnt loß drynk ych may nän teh
vo pay dy sä mäln laud loß sych vär krüh mäln.
ych wayss noch mannch mahl woh tu wonßd

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dorfschindelexistenz

27. Februar 2011 lotharthiel

 

hochentrückt dem bauernbeben,
nah der wolken schweigereise,
sonnenscheiden hingegeben,
mondgeflüster silberleise.
unter sich des pflügers leben,
epizentrum seiner kreise.
seinem schweiß gleich überhoben:
dachgeschick, du bist zu loben.

zieglig ist dein welt-erleben:
augenlabsal noch dem greise,
kletterziel der grünen reben,
bist du freund der haubenmeise.
dicht zu bleiben all dein streben,
landmannsschild und feind dem eise.
alles weiß sich dir verwoben
und sagt dank. drum bleibe oben.

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rauchen und gesellschaft [rug 1]

1. Januar 2011 lotharthiel

  

Für Immo

- wach auf, mein schatz, und riech: hier schwelt zigarrenrauch!
wo hast du die beretta, miefertum zu strafen?
du glaubst wohl nicht, ich könnt in dem gestank hier schlafen?
- jetzt, wo du’s sagst, mein augenstern, merk ich ihn auch.

nun gut! wo ist sie gleich, die lieb gewordne waffe?
ah hier! . . . obschon: der schmaucher-bengel dauert mich.
ihn so abrupt zu stoppen wär bedauerlich.
- wie nett! entscheid dich nun, du depravierter affe!

- wir könnten auch ins eigne bett zu haus uns schmeißen.
der qualm an diesem ort hier würd uns dort nicht stören.
dort frische luft zu atmen würde dich betören!

- ich wusst es gleich: du würdest es total verscheißen! . . .
havannaboy, jetzt kannst am end nur du mich retten!
ach schatz, gib mir noch meine filterzigaretten.

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adventskannibalismus

7. Dezember 2010 lotharthiel

 

ja, mein guter nikolaus,
jetzt hauchst du dein leben aus.

schon beiß ich dir in die wade,
denn sie ist aus schokolade.

kurz war deiner tage glück,
nur ein glöckchen bleibt zurück.

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Zwei Novembergedichte

26. November 2010 lotharthiel

 

andacht

nasser harter asphalt
spärlich schimmernd in der nacht.
auf ihm ein schwarze pfütze,
in der ein beleuchtetes schild sich spiegelt.

seine verkehrten schriftzüge aber
verdeckt alsbald eine trübe flüssigkeit,
die leiser abendwind herbeibläst,
nahend
wie unheil,
mit dem man nicht rechnet.

 

windstille

verwunderung der lüfte
indezentem fluge
folgendem bloßen schauen
schließlich zu begegnen

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